Freitag, der 5. Juli der 3. Tag unterwegs.

Johannesgarden - mitten in der Pampa, Kilometer von irgendeiner weiteren Behausung entfernt. Ganz tolle Herberge, kann 10 Pilger aufnehmen, Dusche, Zimmer, Aufenthaltsraum, die Herbergswirtin, eine freundliche nette Frau Kaaren um die 60 hat einen wunderschönen Platz geschaffen. Einsamkeit, eine kleine Kapelle, das Herbergshaus aus einladendem warmen Holz, die Gastfreundlichkeit, eine unübertroffene Fischsuppe. Ein Platz zur inneren Ruhe und Einkehr. Wir sind mitten im Sommer - aber kein Mensch außer mir bevölkert die Herberge. Enttäuschung? Ja, ein wenig, vermisse die vielen Kommunikationen, die es auf dem Jakobsweg in Spanien gab - hier so gut wie nichts. Bin doch ganz schön auf mich geworfen u. kann schreiben.

Teile des Geschriebenen kommen hier zum Vorschein nicht alles. Eine große Hilfe ist die kleine klappbare Tastatur die ich über Bluetooth mit dem Smartphone Samsung Galaxy verbinde. Dazu kann man sich ein App runterladen, das hat Word, Excel, Powerpoint funktioniert perfekt. Zuhause nur die Datei in Word eingelesen.

Gegen 10 Uhr von der einsamen Herberge los, Abfahrt runter zum See, Rtg. Lillehammer. Warum ich mich auf die Stadt so gefreut habe, weiß ich nicht. Frei nach Paul Watzlawick: Vor Ankommen wird gewarnt.
Die Stadt hat für mich keine Ausstrahlung, oder ich kann sie nicht wahrnehmen.

Aus der Kirche quellen haufenweise schwarz angezogene Leute, die quatschen, wie bei Beerdigungen üblich. Was soll das Jammern, der Mensch ist mit seiner Physis davon gegangen. Ein fröhliches Lachen und gutes Beisammensein machen daraus das Beste. Wünsche ich mir für meinen Abgang auch so.
Der wohl unvermeidliche tägliche norwegische Regenguss erwischt mich direkt bei einem Bikeladen, bei dem sich das Thema Spritzschutz vorne auch nicht lösen lässt.
Als anregenden Ersatz hat sich eine reizende Frau ebenso wie ich unter die Markise geflüchtet. Das hochsommerlich Outfit sehr reivoll anzusehen aber eben nicht regenfest. ¨Das übliche Norwegen Sommerwetter¨ beklagt sie sich deutlich. ¨Das ist bei uns in Deutschland auch so¨ kommen wir ins Reden. "Aber Deutschland ist doch viel weiter südlich¨ meint sie. ¨Ja stimmt aber diesen Sommer haben wir auch wie hier meist um 15°, um richtig in die Wärme zu kommen müssen wir schon über die Alpen drüber weg¨. ¨Das werde ich machen, sobald ich in Pension gehe" kommt es postwendend aus ihr heraus. "Das wird ja noch was dauern Schätze ich". ¨Ja noch eine ganze Weile¨ muss sie zugeben. Denke sie hat so die Mitte 30 gepackt. "Wenn sie das wirklich wollen, können sie jetzt schon gehen, Arbeiten kann man auch im Süden, ist nur eine Kopfsache¨ kann ich nicht wiederstehen. ¨Ja das stimmt¨ mehr war ihr zu dem Thema nicht zu entlocken. Leider, hätte das gerne noch weiter vertieft.

Ein rundes Gesicht trägt sie, ausgeprägten runde Lippen unterstreichen das noch, unter der leichten Sommerkleidung ist ein formrunder Körper sichtbar, der pralle Busen wird durch das Dekolleté noch unterstrichen. Die nackten Füße in den Sandalen schimmern weiß mit bläulichem Hauch auf der Haut. Innerlich emotionaler Stress?
Träumt sie ihr Leben und lebt nicht ihre Träume? Hätte gerne mehr dazu erfahren, ging nicht leider denn trotz noch leichter Tröpfelei hastet sie davon.

Die letzten Tropfen hören dann auch irgendwann auf und so kann ich Lillehammer ungeschoren wieder verlassen. Was sich dann präsentiert hat mit ungeschoren nichts mehr zu tun. Der Weg führt zwischen einem Fluss, einer Bahnlinie und darüber einer Straße durch dichten Wald. Steile steinige Passage, haufenweise dicke Wurzeln, steile Stellen sowohl rauf als auch runter und das bei Nässe, zwingen mich zum Schieben. Schieben macht mir nichts aus wenns denn nötig ist. Aber hier das ist zweifach ekelig: Bei Trockenheit kein Problem zu fahren und dann hätte auch das allergrößte Übel keine Chance bekommen: Mücken ohne Ende fliegen Attacken auf jeden Zentimeter meiner nackten, schweißgebadeten Haut. Ein Martyrium.
Da muss ich raus. Das Navi zeigt in einiger Entfernung einen Serpentinenweg zu der über mir verlaufenden Straße. Das wäre die Rettung. Nur bis dahin sind es noch einige hundert Meter. Dann endlich kann ich durch eine lochähnliche Unterführung unter der Bahnlinie durch, an einem auf dem Weg abgestellen Container irgendwie vorbei, dann endlich bin ich auf der Straße. Das reicht für den Tag. Bei der nächsten Abbiegung in die Pampa lese ich mir den Führer dreimal durch diese Passage - schlauer bin ich dann auch nicht. Der Autor ergeht sich in Detailerläuterungen mit Hofnamen (die Bauernhöfe haben alle einen Namen), die nirgends zu finden sind und Beschreibungen die nur eins widerspiegeln: Er ist der große Sachkenner, ob andere das was nachvollziehen können, scheint ihm völlig egal zu sein. Leider gibt es aber keinen anderen Führer - oder besser ich habe keinen anderen gefunden.
Daraus besteht ein großer Teil des ganzen Dilemmas dieses Olavswegs: Keine Auswahl an guten Beschreibungen, kaum Pilger auf dem Weg - heißt kaum Kommunikation. Heißt weiter: Ein sehr einsamer Trip mit der Frage, warum bin ich eigentlich hier?

Der heruntergeladene GPS Track ist der reine Pilgerweg und der ist nicht immer und überall fahrbar. Nur wo ist er fahrbar und wo nicht???? Die Frage hat mich auf dem ganzen Weg nicht verlassen. Die Alternative stellt dann nur noch die E 6 dar, die Schnellstraße von Oslo nach Trondheim. So muss ich immer, wenn es nur sehr unklare Informationen gibt immer über das Bauchgefühl entscheiden nehme ich den Pilgerweg oder die Straße??

So habe ich mir heute viele weite bergige Ausritte erspart. An einer Tankstelle repariert ein Mann den Greifer eines Baggers - er ist der erste mit dem ich nicht reden kann, Englisch war nicht.
Dann bin ich immer noch auf der Suche nach den so anderen und so freudlichen Norwegern. Das wird immer und überall so beschrieben. Einer muss daneben liegen. Werde wohl ich sein, muss weiter schauen ob das was kompatibel wird.
Oder sollten die Schreiber die ich gelesen habe alle von dem professionllen Lächeln derer die eine Dienstleistung erbringen, reingefallen sein??

CooP Supermarkt in Tretten. Mein Hunger läßt mich anhalten. Eine hübsche Jungdame, blond und blauäugig steuert auf den Eingang zu. Ihr Gesicht drückt eins aus: Negativität. Die Mundwinkel nach unten gezogen, die Augen halb zugekniffen maschiert sie in den Laden.
Ich kurze Zeit später hinterher. Sitzt die Dame an der Kasse und strahlt alle Leute an wie ein Honigkuchenpferd. Ist das noch dieselbe von draußen? Die Person ja, die Botschaft aus ihr nicht mehr: Hier ist Business und da habe ich zu lächeln.
Wenig später ich bin mit Apfel und Banane draußen. Recht füllige Frau mit 2 Töchterchen kommt aus dem CooP Laden: Sie trägt ein dickes Fabrikeis in der Hand, die kleine Tochter eine dicke Tüte Chips, die andere zwei dicke Riegel schokoladenähnliche Packen.
Was ist denn hier anders als bei uns? Hier ist die Verführung genau so vorangeschritten wie überall in der Industriegesellschaft.
Ich lande nach schönem Anstieg und Fahren durch welliges Hügelland in Favang. So ausdrucklos wie jetzt alle Orte. Hier wollte ich eigentlich bleiben. Auf der Ecke an der Hauptstraße ein ungewöhlich großes Lokal. Maschiere rein, der dicke Wirt anwortet freundlich bedauern, dass er keine Zimmer mehr vermietet. Aber zwei Ecken weiter könnte - ja wenn es da keine Hochzeit gäbe. Falls ich das nicht fündig werde sollte ich wiederkommen, er würde mir dann eine andere Lösung zeigen.
Die Ecke weiter ist eine Apartment Häuser Ansammlung, das wird es sicher was geben. Das einzige dauerbewohnte Haus steuere ich an, es öffnet eine erotische Schönheit. Wie sieht eine erotische Schönheit aus? Woraus besteht sowas?? Sie ist klein, eher rundlich - schwanger?? Vielleicht. In der Hauptsache strahlt ihr Gesicht das aus: Mittellanges dunkles Blondhaar, grüne Kulleraugen, der sinnliche Muind könnte auch Kleopatra gehören - alles zusammen eine nicht präziser zu beschreibende Komposition. Ich frage¨Hätten Sie ein Bett für mich¨. ¨Leider nein¨ antwortete der Kleopatramund. "Äh sicher weil es morgen die Hochzeit hat, und Sie sind die Braut?¨ ¨Ja¨ antwortet sie zart. "Da bin ich aber neidisch" kann ich nicht widerstehen zu sagen. Der Mann im Hintergrund, glatzköpfige Moderne, er hat sie nicht verdient, da bin ich sicher.
Sie ruft im nächsten Ort in Ringebu an, dort gibt es ein B&B Haus. Ja der Mann kann ein Bett haben. Damit bin  ich die Schöne los. Wir lächeln uns intensiv und strahlend an, dann mache ich mich auf mein Fahrrad Richtung Ringebu davon.
Nehme den schlechtesten Weg dahin, mein Hirn muss wohl noch im Kleopatra Anblick gewesen sein als ich mich entschloss die E 6 zu nehmen statt den Wanderweg.
Ringebu hat nur zwei Sätze verdient: Quartier okay, die Wirtin auch (siehe rechts); einzige Restaurant im Ort, das nach 18 Uhr noch was anbietet ist der Chinese. Der Wirt ist der zweite hier in Norwegen mit dem ich mich nicht verständigen kann. Gott sei Dank die Speisekarte gibt es auch in Englisch sonst wäre ich sicher verhungert. Das Essen   entsprechend: Fad und extrem teuer.  

Die Tagesdaten bei Ankunft in winzigem Ort Ringebu bei strahlendem Sonnenschein:

80,4 km,  reine Fahrzeit 4:52 Minuten Fahrzeit, 718 Hm - es war heute nicht so anstrengend.




Hinter Lillehammer - im Hintergrund eine Herberge
Direkt bei der Kirche in Lillehammer: Bis Nidaros (der alte Name für Trondheim) nur noch 417 km...
...dann der Norwegische Regenguss am Bikeladen - ohne die hübsche Frau...
...noch mit Sonne...
Dieses Land hat Wasser ohne Ende, die können halb EU mit Wasserstrom versorgen - ohne den Atom Wahnsinn
Olympische Skipiste aus den 90er Jahren
...ein wenig WildWest hat Norwegen schon..
Original Sheriff Car in Tretten
..zum nächsten dem 4. Tag geht’s hier weiter..

Zur Startseite Olavsweg

Zur Home Seite