Mittwoch, 3. Juli Ruhetag in Hamar nach der Höllenfahrt Oslo - Hamar

4. Juli Donnerstag. Gegen 10 Uhr Abfahrt von Hamar. 2 Tage Apartment, mit Essen, Frühstück, 2 Capuccino 1550 Kro. (ca. 190 €) - Norwegen Preise.

Heute Vormittag soll es eine hohe Regenwahrscheinlichkeit geben da uns am Nachmittag die strahlende Sonne erwarten würde - auch für die nächsten Tage soll es bestes Wetter geben.
Der Morgen hier in Hamar zeigt eine dichte Wolkendecke, keinen Regen.
Erst mal zum Dom. Wie schon in diversen Broschüren beschrieben sind die gesamten Reste, die übriggebliebenen Ruinen unter einem Glasdach um sie vor weiterer Erosion zu schützen. Sieht so aus als könnte das gelingen. Jedenfalls ist es beeindruckend. Durch die Überdachung wird die Kirche die um 1500 in den Ruinenzustand gebracht wurde, wieder für ökumenische Gottesdienste genutzt.

Dann zunächst gemütlich am Mjösa See entlang, später eine saftige Steigung. Unfahrbar, nur mit Schieben zu schaffen. Wurzeln, Steine und vor allem alles nass von den Regengüssen gestern und in der Nacht von denen ich im warmen Bett nichts mitbekommen habe. Irgendwann ist das auch geschafft, es sollte an dem Tag das einzige Schiebestück bleiben.
Es geht durch schöne Wälder, alles ist feucht und ich mache erstmals direkte Bekanntschaft mit den viel erwähnten Mücken. Es gibt sie und mein schweissnasser Kopf, Hals, Arme dienen den Viechern als Angriffsfläche - wenn es bergauf geht und mein Tempo nicht viel höher ist als bei einem Wanderer. Irgendwann, nach prusten, schimpfen, um mich schlagen soweit das überhaupt geht, komme ich an eine Straße und die Mückenplage hat ein Ende, bin dann zu schnell für die Viecher.
Der nächste bemerkenswerte Ort ist Ringsaker. Die kleine Kirche aus dem 11. Jahrhundert wirkt irgendwie beruhigend. Mit Kirche und deren Glaubensmärchen habe ich nie viel am Hut gehabt u. bin vor über 20 Jahren aus der Taufautomatik Kirche ausgetreten. Trotzdem besuche ich kleine Kirchen denen ich unterwegs begegne gerne. Manche haben einen Flair, wie diese hier.
Und, ich bin wild auf Stempel bei der Pilgerfahrt. Hier liegt der Stempel direkt an einem kleinen Pult im Eingang der Kirche. Eintrag in das Gästebuch ein paar Kronen in die Schale und zum Altar gegangen.

Dem habe ich eine Weile stumm zugeschaut und mich dann verbeugt - warum weiß ich nicht, mir war danach. Verbeuge mich sonst nur am Grab meiner Eltern, denen ich damit meinen Dank erweise, dass sie mich geboren haben und ich glücklich bin solche Eltern zu haben. Da knie ich mich am Grab nieder, dort haben beide ihre Ruhestätte und ich spreche mit ihnen, sage ihnen, dass ich sie liebe und ich weiß, dass sie immer bei mir sind.
Was sollte das in dieser kleinen Kirche? Oh ich weiß. In mir war ein Gefühl von Dankbarkeit dafür, dass ich diesen Trip hier machen kann, dass es mir so gut geht, mein geliebter Körper so wunderbar mitspielt. Keinerlei Schmerzen, Kraft in den Beinen, die Muskeln die mir in den letzten Monaten soviel Kummer bereitet haben - alles fein.
So erkenne ich die Lernschritte des Lebens - nur warum muss es immer so lange dauern bis ich was kapiere? Mein Körper sagt mir die Wahrheit, wenn er mir über ZNS zeigt, da ist einiges falsch. Mein Sport holt die Sprache des Körpers hervor und so weiß ich, wann Demut und Dankbarkeit am rechten Platz sind.
Bis Broettum sind es noch 23 km. Kurz nach Ringsaker fängt der bekannte feine Sprühregen wieder an. Der begleitet mich noch viele Höhenmeter hinauf. Gegen 17 Uhr bin ich bei meiner vorbestellten Unterkunft 2,5 km hinter Broettum im Johannesgarden.

Hamar Broettum 62 km, 1125 Hm, 4 h 43 reine Fahrzeit.
Eigentlich hatte der Wetterbericht für den Nachmittag Sonne angekündigt offensichlich hat die das wohl irgendwie nicht mitbekommen. Die Hoffnung auf Morgen bleibt.

Hamar Kathedrale
Pult mit durchgeschwitztem
Fahrradhelm
..was macht sie da?? Es hat doch reichlich gegossen von oben?
Düngemittel sei in dem Wasser für die Friedhofspflege...
Wenige km vor Broetum auf ca. 700 NN Temperatur 7°
...nächster Tag, Tag 3...

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