Dienstag, den 2. Juli 2013 um 12.30 los vom Airport Parking. Es regnet nicht, nur dichte graue Wolken über dem Land - ob das trocken bleibt bis abends??
Nach einer halben Stunde ist der GPS Track auf meinem Navi erreicht. Der Weg durch Wälder, über kleine Straßen, mal ein ganz schmutziger Bauernpfad der an einem kleinen Fluss mit wackliger Holzbrücke unfahrbar zum Schieben zwingt. Dann der erste dicke Schauer entlädt sich aus den dicken Wolken über mir. Nur nicht durchnässt werden hämmert mein Kopf. Vollgass, was die Beine hergeben zum nächsten Haus mit kleinem Vordach. Nach 15 Minuten Ende, nur ein Gepiesel bleibt. Regenjacke raus und weiter. Es sieht so aus, als würde ich mich an pieseligen Regen wohl gewöhnen müssen.

Der Trip hat aber noch ein paar andere ¨Nettigkeiten" übrig. Eine Straße entlang, dann in den Wald auf einen guten Forstweg, fein und ich frohen Mutes mit der Hoffnung, dass das so weitergeht. Plötzlich rechts ab, an einem Haus vorbei in den Wald. Steine, eng, nass, nicht fahrbar, also zurück 200 m, wieder auf die Straße, würde sicher bald wieder zusammen kommen, der Olavspfad  wunderbar auf dem Navi sichtbar und die kleine Straße.
Leider ein dicker Irrtum wie ich später sehen muss. Der Pilgerweg macht ab da wo ich zurückgeschreckt bin einen großen Bogen in die Berge, in die Wälder, die ich von unten sehen kann. Meine kleine Straße mündete auf die E 6, die große Hauptverkehrsader von Oslo nach Trondheim - und die wird jetzt gerade ausgebaut zu einer 4 spurigen breiten Autobahn. Neben dieser Hauptschlagader des Verkehrs verläuft eine Nebenstrecke, die sich wunderbar fahren läßt - bis zu der Stelle wo diese Nebenstrecke in den Neubau einbezogen wird - Ende, nichts ging mehr alles abgesperrt. Hochtief reißt diese ganze Straßen an vielen Punkten auf ich stecke mitten in den Baustellen. Mein wunderbares Bike verdreckt komplett mit dem Schlamm, der von LKW und Baumaschinen die Erde aufgewühlt hat. Alles, ich, Bike, Tasche, Sack hinten auf dem Ständer voller grauem Schlamm.
In einer der riesigen Bauhütten voll mit Baufahrzeugen, Kippern, Raupen und LKW halte ich an. Drinnen im Eingang stehen Bauarbeiter. Sie schauen mich etwas verwundert an, als ich Drecksmensch in die Halle komme.

¨Can I get some water to clean my bike a bit¨ frage ich die Männer. Sie verstehen mein Englisch nicht so ganz, dafür die eindeutige Geste. Einer der freundlichen Menschen schnappt sich schon den Dampfstrahler und ich kann ihn nur mühsam davon abhalten mein Bike zu ruinieren, das wäre mit dem Dampfstrahlerdruck innerhalb von wenigen Minuten zu schaffen. An der Wand hängt ein langer Schlauch mit normalem Wasserdruck und deute da hin. Er kapiert sofort und stellt die dicke Spritze die er in der Hand hält, auf normalen Druck um und drückt mir den Griff in die Hand. Super. Ist das die vielgerühmte Freundlichkeit, die ich gehört habe, dass die hier so vorherrschen soll? So recht habe ich der noch nicht getraut, sie auch noch nicht wahrgenommen. Aber vielleicht liegt es an mir. Bin noch nicht so recht offen mit meinen Sinnen, noch zu sehr im deutschen Alltag, in meinem Business.

Mein Bike wird so vom allergröbsten Schlamm befreit. Dann wieder auf die E 6. Lkw nach LKW donnert im Meterabstand an mir vorbei. Ich habe ja schon schlimme Ritte hinter mir aber das hier übertrifft alles. So kämpfe ich mich ca. 12 km bis zu einer Tankstelle. Die hatte einer der Bauarbeiter erwähnt, danach ging es wieder auf die kleine Nebenstraße. Tankstelle rechts und plötzlich kommt auch mein Pilgerpfad auf dem Navi wieder in Sicht, genau gesagt führt er unter der E 6 herunter bis zum Ufer des Mjoln See, der an meiner westlichen Seite mein Dauerbegleiter bleibt. Anhalten, Bike über die Leitplanke wuchten und abwärts, weg von der schlimmen Straße.

Um die Zeit habe ich 70 km in den Beinen. Später wieder vom See weg in die Hügel und in den Wald. Meine Sehnsucht nach Tisch, Dusche und Bett wird immer größer. Vom Jakobsweg, den ich im letzten Jahr gefahren bin, war ich gewöhnt alle paar km eine Pilgerherberge zu haben. Mal besser, mal weniger gut, aber immer mit den Basismöglichkeiten ausgestattet nach denen meine Sehnsucht so sehr drängte. Hier nichts, weiter Fernziel Hamar vor Augen.
Nach der Beschreibung eines Autors - Bernd Lohse "Der Olavsweg" sollten es von Hamar bis Trondheim 490 km sein. Mein Navi zählte den Weg rückwärts und gaukelt mir vor, dass ich nur noch ca. 8 oder 9 km von Hamar entfernt sein müsste.

Zwei Mountainbiker kommen mir entgegen, jetzt 19.30 Uhr und nach wie vor ist es taghell.
¨Have you an idea how far it is still to Hamar?¨ Einer der beiden schaute auf seinen Navigator: "Yes, when I started downtown Hamar the Navi was on zero and now we are by 23 km, that is the distance to Hamar¨ erzählt er mir.
Ich denke mich trifft der Schlag. Mein Tacho war bei 82 km, das Navi war aus, die Akkus beide platt - ich auch.

Auf verzweifelte Frage nach Quartieren bis dahin können beide auch nicht so richtig zufriedenstellend beantworten. Sie erzählen was von Farm, Kirche noch was weiter, aber alles unkonkret. ¨You have a good bike¨ bemerkt einer der beiden, obwohl mein Teil schlimm aussieht. Die grobe Reinigung bei den Baustellenleuten war schon längst wieder neuem Matsch gewichen, wenn auch diesmal von Waldböden.
Okay, weiter. Die Farm rechte Hand. Ein Pilgerhäuschen. Davor eine Feuerstelle, innen zwei Sofabetten. Kein Wasser sichtbar, von irgendeinem anderen Komfort der vor meinen müden Augen steht ganz zu schweigen. Das eigentliche Farmhaus gegenüber. Schellen, klopfen, nichts tut sich, kein Mensch weit und breit.

Weiter, Tacho bei 91 km.  Die Strecke wird flacher, der Wind Gott sei Dank hilft kräftig von hinten - wann habe ich solch ein Glück - man kann immer alles von mindestens zwei Seiten sehen. Der Rücken tut weh, die Beine sind müde, der Nacken versteift sich vom dauernden gebückten Fahren, aber ich jubele über den Rückenwind.

Hamar. Keine Ahnung wo das Bett sein soll, das auf mich wartet. Taxifahrer gefragt. Ja, das Pilgerhaus ist bei der Kathedrale. Er macht mir eine Zeichnung. Los, weitere 3 km. Das ¨Pilgerhaus entpuppt sich als Office der Kathedrale, die haben nix mit Pilgern am Hut. Trauriger Frust. Eine Dame steigt aus einem der Autos die sich vor dem Haus gerade in Bewegung setzen wollen um davonzufahren. Sie erklärt mir, dass ich zum Vikinghaus fahren soll, das sei ein Motel direkt bei der Olympiahalle und da wäre ich genau richtig. Wo liegt das? Natürlich am anderen Ende der Stadt ich bin vorher daran vorbeigefahren aber von Motel war nichts sichtbar.
Km Stand 111,3 Motel erreicht, netter Mann begrüßt mich: ¨Do you like barbecue?¨. Kann der Gedanken lesen??
¨Can I take a shower before?¨ ¨ Yes you can, 15 minutes is that okay?¨ Eine der schönsten Kommunikationen des Tages.

Daten des ersten Tages: Oslo Airport bis Hamar: 111,34 km,  Steigungen gesamt 1037 Hm, reine Fahrzeit 6 h 29 Minuten, ich bin platt. 


Dicke Regenwolke überm Olavsweg
Weghindernisse...
...vom Olympiafieber bin ich meilenweit entfernt..
Hier Volvo Oldtimer Show - rettende Motel direkt gegenüber
..nach dem Horrortrip erst mal ein freier Tag..
Bike wieder fein sauber - habe ich was gelernt??
Noch vor einem Jahr hätte es einen "freien Tag" nicht gegeben...



..Kommunikation darf ja auch nicht zu kurz kommen:
Englische Jungdame (30 Jahre alt - habe ich auch nicht geglaubt)
mit indischen Wurzeln im Viking Motel.
..weiter zu Tag 2

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